Glaube - Eine Antwort auf Beweise (Teil 2)

C. Der Beweis, der durch Christi Auferstehung geliefert wird

Es ist allgemein bekannt, dass die Auferstehung Jesu Christi für das Christentum von zentraler Bedeutung ist. Klar ist anhand des Neuen Testaments auch, dass die Auferstehung Christi und seine Himmelfahrt keine schwierigen theologischen Lehren waren, mit denen die ersten Christen sich schwertaten, sie zu glauben. Es waren zwei gewaltige Ereignisse, die enorme Kräfte freisetzten und die ersten Jünger aus furchtsamen Menschen in unerschütterliche Prediger des Evangeliums verwandelten. Die Auferstehung Christi stellte für ihren Glauben keine Spannung dar, sondern vermehrte ihn tausendfach. Sie führte sie in eine Erfahrung der Realität des lebendigen Gottes, wie sie diese vorher nie gekannt hatten. Hören wir, was sie sagten:

»… die ihr durch ihn [Christus] an Gott glaubt, der ihn aus den Toten auferweckt und ihm Herrlichkeit gegeben hat, damit euer Glaube und eure Hoffnung auf Gott sei« (1Petr 1,21).

Auch ihre Hoffnung wuchs gewaltig. Ohne Gott ist der Tod das Ende aller Hoffnung, die letztendliche Demütigung für den Körper und die letzte Sinnlosigkeit und Frustration, die allen Kampf um Fortschritt beendet. Aber die Auferstehung Christi veränderte all das. Der Apostel Petrus sagt es so:

»Gott [...], der nach seiner großen Barmherzigkeit uns wieder­ gezeugt hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi aus den Toten, zu einem unverweslichen und unbefleck­ ten und unverwelklichen Erbteil, das in den Himmeln aufbewahrt ist für euch« (1Petr 1,3-4).

Die Christen erkannten sehr schnell, dass die Auferstehung des Menschen Jesus Christus für alle erlösten Menschen eine Tür in die ewige Herrlichkeit öffnete. Die Auferstehung Christi war also der Prototyp und die Verheißung ihrer eigenen Auferstehung (1Kor 15,20-23).

Darüber hinaus bewirkte die Auferstehung Christi ein bemerkenswertes Phänomen: Die ersten Christen (sogar solche, die Jesus nie gesehen hatten) liebten ihn. Hören Sie, was sie sagten:

»[Jesus Christus,] den ihr, obgleich ihr ihn nicht gesehen habt, liebt; an welchen glaubend, obgleich ihr ihn jetzt nicht seht, ihr mit un­ aussprechlicher und verherrlichter Freude frohlockt« (1Petr 1,8).

Wenn jemand sagt: »Ich liebe Tschaikowski«, würden Sie annehmen, er meint: »Ich liebe seine Musik«, nicht: »Ich liebe ihn persönlich.« Niemand würde Letzteres sagen, es würde keinen Sinn ergeben. Tschaikowski ist tot; und man kann nicht eine tote Person lieben. Eine Witwe wird normalerweise sagen: »Ich liebte meinen Mann«, aber nicht: »Ich liebe meinen Mann.«

Aber so reden alle Christen über Christus. Für sie ist Jesus nicht nur eine historische Figur, ein moralischer Lehrer aus der Vergangenheit – er ist eine lebendige Person. Obwohl sie ihn nie gesehen haben, lieben sie ihn, sprechen zu ihm (im Gebet), hören ihn, wie er persönlich zu ihnen redet (durch die Bibel), singen zu seiner Ehre, beten ihn an und führen ihr Leben durch seine Kraft zu seinem Wohlgefallen. Das ist die Art des Glaubens, den die Wirklichkeit der Auferstehung hervorbrachte.

»Aber das ist nicht notwendigerweise eine Wirklichkeit«, mag jemand einwenden. »Alle diese Erfahrungen kommen bei Menschen vor, welche die Auferstehung Christi als historische Tatsache voraussetzen. Sie reden sich ein, dass Jesus lebt, schaffen sich eine geistige Idealvorstellung von ihm und finden Gefallen an dieser Vorstellung. Es handelt sich sicherlich um eine rein subjektive Einbildung. Denn welchen objektiven, historischen Beweis gibt es denn dafür, dass Jesus tatsächlich aus den Toten auferstanden ist?«

Die Antwort ist: eine Menge sehr schlagkräftiger Beweise unterschiedlicher Art und aus unterschiedlichen Quellen. Wir können hier nur eine Auswahl nennen.

1. Der Beweis des leeren Grabes: Man kann anhand des Neuen Testaments ziemlich klar sehen, dass die ersten Besucher des Grabes Christi erwarteten, seinen Körper noch im Grab zu finden, als sie am Sonntag, nachdem er begraben worden war, zum Grab kamen. Sie kamen mit Gewürzsalben, um den toten Körper einzubalsamieren, um ihn möglichst lange zu erhalten. Als sie den Aposteln berichteten, dass sie das Grab leer vorgefunden hatten, waren diese erstaunt; und Johannes und Petrus rannten sofort zur Grabstätte und versuchten herauszufinden, was tatsächlich passiert war (Joh 20,1-10). Sie sagen uns, was sie fanden. Das Grab war nicht ganz leer. Der Leib war nicht mehr da, aber die Leichentücher, die nach jüdischer Beerdigungssitte um den Körper gewickelt waren, waren noch in der Position, als ob der Körper noch in ihnen wäre, nur dass sie jetzt flach dalagen. Die Tücher, die um den Kopf gewickelt waren, lagen ein wenig abseits der anderen auf dem flachen Sims des Grabes, der als Kissen für den Kopf Jesu dienen sollte.

Diese beiden Jünger sagen uns, dass es dieser Beweis war, der sie zuerst dazu brachte zu glauben, dass Jesus aus den Toten auferstanden sein muss: Der Körper kam durch die Leichentücher hindurch und ließ sie unberührt. Was für eine andere Erklärung hätte es geben können? Sie wussten, dass keiner der anderen Apostel den Körper weggenommen hatte; weder sie noch irgendjemand anders hätten das tun können, da die Obrigkeit eine Wache mit Soldaten rund um das Grab positioniert hatte, um genau das zu verhindern, dass irgendjemand den Körper stehlen und eine Auferstehung vortäuschen könnte.

Es waren die Soldaten, die (als sie sahen, dass der Leib nicht mehr da war) das Gerücht in die Welt setzten, dass die Jünger, während sie schliefen, gekommen waren und den Körper gestohlen hatten (Mt 27,62-66; 28,11-15). Aber dieser Bericht ist allem Anschein nach unglaubwürdig. Wie konnten sie gesehen haben, was passierte, wenn sie schliefen? Tiefer gehend betrachtet, ist es schwierig zu glauben, dass einige Jünger sich an den Wachen vorbeischlichen, den schweren Grabstein am Eingang des Grabes wegschoben, den Körper stahlen, ihn irgendwo versteckten und sich dann bewusst die Lüge ausdachten, dass Jesus aus den Toten auferstanden sei. Es ist schwierig, das aus den zwei nachfolgenden Gründen zu glauben.

2. Das Verhalten der Apostel unter Druck: Charles Colson war einer der letzten Gehilfen von Präsident Nixon, der eine betrügerische Geschichte ersann, um die kriminelle Handlung des Präsidenten zu decken, und dabei in die Gebäude seiner politischen Gegner einbrechen wollte – die sogenannte WatergateAffäre. Für eine Weile hielten diese harten Männer an ihrer falschen Geschichte fest. Aber als der Druck sich aufbaute und ernste Strafen drohten, verriet einer nach dem anderen seine Mitstreiter und gestand die Wahrheit. Sie stellten fest, dass sie nicht für eine Lüge leiden konnten, die sie selbst erfunden hatten.

Colson zog diesen Schluss aus seiner eigenen Erfahrung. Die Apostel waren politisch und diplomatisch schlichte Männer. Wenn die Geschichte der Auferstehung eine selber erfundene Lüge gewesen und gewaltiger Druck gekommen wäre (wie er sich sehr bald auch wirklich einstellte), hätten sie ihre Solidarität gegeneinander nicht aufrechterhalten können: Der eine oder andere von ihnen wäre zusammengebrochen und hätte gestanden, dass das Ganze ein Betrug gewesen war. Aber keiner von ihnen tat das, sogar als sie sahen, wie viele Menschen verfolgt und umgebracht wurden, weil sie arglos ihre Geschichte der Auferstehung glaubten, und auch nicht, als sie selbst den Märtyrertod dafür erlitten.

Aber auch wenn wir annehmen, dass sie ihre Solidarität unter dem Druck hätten aufrechterhalten können – wie hätte ihre Geschichte je einen Mann wie Saulus von Tarsus überzeugen können?

3. Das Zeugnis des Saulus von Tarsus: Es wird oft gesagt, der Beweis für Christi Auferstehung würde erheblich durch die Tatsache geschwächt, dass alle Aussagen nur von Christen stammen. Kein Nichtchrist, so wird behauptet, habe je bezeugt, dass Jesus aus den Toten auferstanden sei. Natürlich nicht, denn alle Nichtchristen, die von der Auferstehung Christi überzeugt wurden, wurden normalerweise Christen. Aber wir müssen verstehen, dass sie nicht Christen waren, bevor sie von der Auferstehung überzeugt waren, und dass es seine Auferstehung war, die sie überzeugte.

Ein bekanntes Beispiel diesbezüglich ist Saulus von Tarsus. Vor seiner Bekehrung hat er sich nicht nur geweigert, an Jesus und an seine berichtete Auferstehung zu glauben; er verfolgte alle sehr hart, die daran glaubten. Die spätere Bekehrung des Saulus von Tarsus ist ein unbestrittenes historisches Ereignis. Die Welt ist immer noch von ihren Auswirkungen geprägt. Wodurch wurde seine Bekehrung ausgelöst? Der lebendige, auferstandene Christus, sagt Saulus, von dem er dachte, er sei tot und begraben, begegnete ihm auf der Straße nach Damaskus (Apg 9).

Jemand mag einwenden, dass Saulus ein ganz besonderer Fall sei. Aber er war nicht der Einzige, der von der Auferstehung durch eine persönliche Erfahrung mit dem auferstandenen Christus überzeugt wurde.

4. Das Verhalten der ersten christlichen Frauen: Die ersten Menschen, die das Grab Christi besuchten, waren gewisse christliche Frauen, die kamen, um den Leib einzubalsamieren. Wenn es nach ihnen gegangen wäre, hätten sie das Grab zweifellos zu einem Schrein und einer Pilgerstätte gemacht, wie es bei vielen religiösen Führern geschah und wie es später tatsächlich auch abergläubische Generationen in der Christenheit taten. Aber diese Frauen haben das nicht gemacht. Sie und all die ersten Christen gaben das Grab im Grunde auf. Warum? Weil sie es leer vorgefunden und dann den Herrn Jesus selbst getroffen hatten – auferstanden aus den Toten. Niemand macht einen Schrein um jemanden herum, der am Leben ist! (Mt 28,1-10; Joh 20,11-18).

5. Die Aussage von Augenzeugen: Der erste Korintherbrief ist einer der ersten Briefe des Paulus. In Kapitel 15 (Verse 3-8) fasst er das Evangelium zusammen. Es enthält nicht nur die Verkündigung, dass Christus am dritten Tag aus den Toten auferstanden ist, sondern nennt auch eine Liste von Augenzeugen, die Christus nach seiner Auferstehung tatsächlich gesehen haben. Diese ist nicht als eine erschöpfende Liste gedacht; aber sie zeigt, dass Menschen mit sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten Augenzeugen waren. Auch die Umstände, in denen sie den auferstandenen Christus sahen, waren gleicherweise unterschiedlich: Einige waren allein, einige in kleinen Gruppen, andere in einer Gruppe von über 500. Wir erfahren auch, dass Christus einigen Leuten am Abend und hinter verschlossenen Türen erschienen ist (Joh 20,19-23), anderen am helllichten Tag an einem Berghang (Mt 28,16-20), wieder anderen am frühen Morgen am Seeufer bei ihren Fischerbooten (Joh 21) und wieder anderen auf einer Reise (Lk 24).

Es wäre schwierig, würde man argumentieren, dass all diese unterschiedlichen Persönlichkeiten Opfer von Halluzination oder Massenhypnose wurden.

Es gibt noch viele historische Beweise, die man anführen könnte, aber wir sollten noch einen anderen Einwand betrachten: »Gemäß dem Neuen Testament mussten die Apostel den auferstandenen Christus körperlich sehen und ihn berühren, bevor sie bereit waren, an seine Auferstehung zu glauben. Wie können Sie von mir erwarten, dass ich glaube, ohne ihn sehen und berühren zu können?«

Der Einwand ist verständlich; aber er ist nicht so plausibel, wie er auf den ersten Blick scheint. Bedienen wir uns einer Analogie. Nehmen wir an, ich komme aus einem sehr primitiven Land und habe noch nie elektrisches Licht gesehen. Wenn ich Ihre Wohnung besuche, sagen Sie mir: »Drücken Sie diesen Schalter an der Wand Ihres Zimmers, und das Licht wird angehen.« Ich frage: »Wie ist das möglich?« Sie antworten: »Das Licht wird durch Elektrizität erzeugt, die von einem Gebäude kommt, das Kraftwerk genannt wird und kilometerweit weg ist.« Ich frage: »Haben Sie die Elektrizität gesehen?« »Nein«, sagen Sie. »Haben Sie das Kraftwerk gesehen?« »Ich bin nie dort gewesen«, geben Sie zu. Ich frage: »Warum glauben Sie an dieses Kraftwerk und an die Elektrizität, was immer das auch sein mag?« Sie erklären mir geduldig: »Als wir das erste Mal in diese Wohnung zogen, besuchte uns ein Mann, der sagte, er sei vom Kraftwerk. Er erklärte uns, dass unsere Wohnung momentan nicht an die Stromversorgung angeschlossen sei, aber er würde zurück zum Kraftwerk gehen und uns anschließen. Die Elektrizität würde dann fließen; und wenn wir dann den Knopf drücken würden, würde das Licht angehen. Wir nahmen ihn beim Wort, drückten den Schalter, und das Licht ging an. So gehen Sie nun in Ihr Zimmer, drücken Sie den Schalter, und das Licht wird auch in Ihrem Zimmer angehen.«

Nehmen wir an, ich würde antworten: »Nein, dazu bin ich nicht bereit. Ich könnte mich täuschen und mir einbilden, ein Licht zu sehen. Ich bestehe darauf, zuerst selber den Mann vom Elektrizitätswerk zu sehen – genauso wie Sie, bevor Sie den Schalter drückten.«

Sie würden wahrscheinlich denken, ich sei verrückt.

Nun, die Apostel sagen uns, dass Jesus sie – sowohl vor seinem Sterben als auch nach seiner Auferstehung aus den Toten – darüber informierte, dass er sie wissentlich verlassen würde. Er würde zum Vater zurückkehren, von dem er gekommen war, und würde den Heiligen Geist zu ihnen senden (Joh 16,7-14.28). Sie sollten einige Tage in Jerusalem warten und würden dann den Heiligen Geist empfangen. Dann verließ er sie und fuhr zum Himmel auf (Apg 1,4-9). Sie nahmen ihn beim Wort, warteten so, wie es ihnen gesagt wurde, empfingen dann den Heiligen Geist und mit ihm Licht, Frieden und Kraft, um ein Leben in täglicher Gemeinschaft mit Gott zu leben.

Sie sagten dann ihren Zeitgenossen, dass auch sie den Heiligen Geist empfangen würden, wenn sie von ihren Sünden umkehren und an Christus glauben würden (Apg 2,38). Sie würden und könnten den Heiligen Geist nicht sehen; aber sie würden sein Licht und seine Kraft erfahren. Die Apostel sagen das Gleiche heute zu uns. Sie selbst mussten den auferstandenen Christus sehen, damit sie der Welt versichern konnten, dass es derselbe Jesus war, mit dem sie drei Jahre gelebt hatten (Apg 1,21-22). Aber wir müssen »den Mann vom Elektrizitätswerk« nicht sehen. Wir können auch ohne das herausfinden, dass er wirklich lebt. Drücken wir den Schalter der Buße und des Glaubens – und das Licht und die Kraft seines Geistes werden in unser Herz kommen.

Wir haben noch eine weitere Schutzvorrichtung gegen die Gefahr des bloßen Subjektivismus. Die Auferstehung Jesu war nicht die Auferstehung irgendeines Menschen. Das Alte Testament war Gottes Buch mit Hinweisen darauf, was die Angehörigen seines Volkes von dem Erlöser erwarten sollten, wenn er käme. Er würde zuerst als das von Gott bestimmte Opfer für die Sünden der Welt sterben. Dann würde Gott sein Opfer beglaubigen, indem er ihn aus den Toten auferwecken würde (Jes 53,4-6.10-12). Jesus beanspruchte, dieser Retter zu sein. Deshalb besteht das christliche Evangelium nicht nur darin, dass Christus starb und wiederauferstand. Es heißt, »dass Chris­ tus für unsere Sünden gestorben ist nach den Schriften [...] und dass er auferweckt worden ist am dritten Tag nach den Schriften« (1Kor 15,3-4; Hervorhebung hinzugefügt). Lesen Sie diese Schriften und erproben Sie dann durch entsprechendes Handeln, dass dieses Evangelium wahr ist.