Glaube - Eine Frage, wem man glaubt

Bis hierher haben wir in den Kapiteln über den Begriff »Glauben« die Begründungen betrachtet, aufgrund derer wir eingeladen werden zu glauben, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes. Die Bibel warnt uns klar, dass der Glaube an diese Tatsachen beträchtliche Leiden mit sich bringen kann. Der Glaubende muss sich also ganz klar darüber sein, was er genau glaubt. Wenn Jesus wirklich der Sohn Gottes ist, der Sohn dessen, dem das ganze Universum gehört, der Schöpfer und Besitzer aller Dinge, dann sind sämtliche Verluste oder Leiden, die wir um seinetwillen in Kauf nehmen, nichts im Vergleich zu dem, was wir in ihm haben. Andererseits wären wir dumm, irgendwelche Leiden oder Verluste seinetwegen hinzunehmen, wenn er nicht der Sohn Gottes wäre.

Noch einmal: Manche Menschen mögen z. B. sagen: »Wir glauben an Christus und genauso an alle anderen Religionen.« Aber eine solche Toleranz ist gefährlich unvernünftig. Glaube an Christus bedeutet, gemäß dem Neuen Testament Folgendes zu glauben: »Gott ist einer, und einer ist Mittler zwischen Gott und Menschen, der Mensch Christus Jesus, der sich selbst gab als Lösegeld für alle« (1Tim 2,5-6). Es bedeutet, auch zu glauben, dass »in kei­ nem anderen das Heil [ist], denn es ist auch kein anderer Name unter dem Himmel, der unter den Menschen gegeben ist, in dem wir errettet werden müssen« (Apg 4,12). Es heißt zu glauben, dass Christi Opfer für Sünden absolut ausreicht. Kein anderes Opfer ist möglich, kein anderes ist nötig (Hebr 10,11-12). Zu behaupten, an Christus als Retter zu glauben, und zusätzlich noch an einen anderen Retter zu glauben, ist nicht Glaube (auch nicht intelligent), sondern Unglaube.

Aber echter christlicher Glaube bedeutet nicht nur, gewisse Fakten zu glauben; es bedeutet auch, einer Person zu glauben, zu vertrauen und sich ihr, d. h. unserem Herrn Jesus Christus, ganz hinzugeben. Leider gibt es viele Menschen, die zwar glauben, dass Jesus der Sohn Gottes und der Retter der Welt ist, aber sich trotzdem noch nie ganz ihm ausgeliefert haben, um sich von ihm persönlich erretten zu lassen. Seltsamerweise sind besonders religiöse Menschen (aber natürlich nicht nur sie) für diese Verführung anfällig.

Einige empfinden es nicht als Notwendigkeit, sich persönlich an Christus zu binden. Sie sind zuversichtlich, dass ihre eigenen aufrichtigen Versuche, das Gesetz Gottes zu halten, und die regelmäßige Inanspruchnahme der kirchlichen Sakramente sie ans Ziel bringen werden. Sie scheinen Gottes ernste Erinnerungen zu vergessen, dass alle, die sich auf die Grundlage des Gesetzes stellen, unter einem Fluch stehen (Gal 3,10-12).

Einige fürchten sich davor, sich ganz allein Christus anzuvertrauen, um errettet zu werden. Sie meinen, dass Christus seinen Teil tut, um uns zu erretten, wir aber auch einen gewissen Beitrag leisten müssen, um uns selbst zu retten. Sie merken zwar, dass dies ziemlich harte Arbeit ist, aber auch dann sind sie nie absolut sicher, ob es am Ende genug sein wird, um dadurch errettet zu werden. Sie müssen erneut die befreienden Worte des Neuen Testaments hören:

»Denn wir urteilen, dass ein Mensch durch Glauben gerechtfertigt wird, ohne Gesetzeswerke [...]. Dem aber, der nicht wirkt, sondern an den glaubt, der den Gottlosen rechtfertigt, wird sein Glaube zur Gerechtigkeit gerechnet« (Röm 3,28; 4,5).

Wenn ein Rettungsschwimmer hinausschwimmt, um einen Ertrinkenden zu retten, wird er nicht unbedingt versuchen, die Person in dem Moment zu retten, in dem er sie erreicht. Der Grund dafür ist, dass die Person wahrscheinlich weiterkämpfen, Anstrengungen zur Selbstrettung unternehmen, den Lebensretter packen und so die Rettung unmöglich machen wird. Der Retter wird in gewissem Abstand um die Person schwimmen, bis sie erschöpft ist und den Kampf aufgibt, sich selbst zu retten. In diesem Moment wird der Retter eingreifen und die Rettung durchführen. Sehr oft muss Christus auf diese Weise handeln. Er wartet, bis Menschen entdeckt haben, dass sie selber nichts tun können, um sich zu retten; und dann stellt er sich ihnen selbst als der Retter dar, der die ganze Rettung bewirkt.

Einige wiederum haben ein anderes Problem. Wenn sie erkennen, dass Errettung aus Glauben kommt, versuchen sie, mit aller Kraft zu glauben. Aber trotz all ihrer Glaubensanstrengungen merken sie, dass ihr Glaube nicht stark genug ist; und so haben sie keine Sicherheit der Errettung. Ihr Fehler ist, wissentlich oder unwissentlich, dass sie den Glauben als verdienstvolles Werk betrachten, das sie für den Himmel qualifiziert – jedoch nur, wenn es stark genug ist. Aber Errettung ist ein echtes Geschenk; mit Glauben kann man sie sich nicht verdienen. Glaube ist die ausgestreckte, zitternde Hand eines bankrotten Bettlers, die einfach die unverdiente Gabe annimmt (Eph 2,8-9).

Ein kleines Kind wird glücklich in den Armen der Mutter einschlafen, ihr vertrauend, dass sie es sicher hält. Der Glaube des Kindes in Bezug auf seine Mutter verdient sich weder die mütterliche Fürsorge, noch muss das Kind hart arbeiten, um die Sicherheit zu genießen, die ihm die Liebe der Mutter freigiebig schenkt.

Andererseits ist Glaube nicht nur Selbstvertrauen. Einige Leute mögen z. B. sagen: »Ich habe großen Glauben, dass – wenn ich mein Bestes tue – Gott mir am Ende gnädig sein wird und mir die Errettung zubilligt.« Aber solcher Glaube ist nicht, was das Neue Testament unter »Glauben« versteht, denn diese Zuversicht gründet sich nicht auf Gott und auf das, was er sagt, sondern auf die eigenen Vorstellungen. Tatsächlich ist eine solche Zuversicht auf gefährliche Weise falsch.

Nehmen wir an, eine Mutter kauft für ihr Kind Medizin. Die Aufschrift sagt, dass die Medizin nur äußerlich angewendet werden darf; innerlich angewendet, ist sie giftig. Aber die Mutter kümmert sich nicht um die Aufschrift und gibt dem Kind davon einen großen Löffel voll zu trinken. Sie ist zuversichtlich, dass die Medizin dem Kind gut tun wird. Aber ist das wirklich der Fall? Natürlich nicht. Das Kind könnte sogar sterben. Zuversicht ist nur gut, wenn sie sich auf Gott gründet und auf das, was er gesagt hat.

Hier ist noch eine wichtige Unterscheidung: Glaube ist kein Gefühl. Viele Menschen (wenn auch nicht alle) erleben eine große emotionale Erleichterung und ein Hochgefühl, wenn sie Christus vertrauen und vollständige Vergebung der Sünden und die Sicherheit der Errettung empfangen. Das ist gut; aber natürlich vergehen diese Gefühle mit der Zeit. Wenn dann ihr Glaube auf ihren Gefühlen statt auf Christus basiert, könnten sie möglicherweise denken, sie hätten vielleicht ihre Errettung verloren oder möglicherweise überhaupt nie wirklich gehabt. Wir dürfen deshalb nicht Glaube und Gefühle verwechseln. Glaube an Gott kann in uns tatsächlich Gefühle von Kummer und Schmerz verursachen, wenn z. B. Gottes Wort uns von falschem Verhalten und dem daraus entstandenen Schaden überführt, oder wenn wir feststellen, dass Gott uns zur Aufgabe unmoralischer Methoden auffordert, wie wir unser Geld verdienen, oder wenn wir Beschimpfungen oder Verfolgung erleiden müssen, weil wir Gläubige sind. Deshalb müssen wir Gottes Wort – und nicht unsere Gefühle – zu unserem eigentlichen Führer machen.

Nehmen wir an, eine Frau wohnt in einem Appartement im fünften Stock eines Gebäudes. Ihre Wohnung gerät in Brand. Kurz darauf erscheint ein Feuerwehrmann draußen an ihrem Fenster auf einer langen Leiter. Er steigt herein und erklärt ihr, dass sie sich von ihm auf der Leiter hinunterbringen lassen muss. Sie stimmt zu und vertraut sich ihm an. Doch als sie nach unten schaut und den Boden sieht, der so weit weg ist, bekommt sie große Angst. Aber ihre Gefühle verändern nichts an ihrer Sicherheit. Der Feuerwehrmann hält sie in seinem stahlharten Griff und bringt sie sicher nach unten. Wenn wir also einmal unseren Glauben auf Christus als Retter gesetzt haben, sind es seine Stärke und seine Treue, die unsere Errettung garantieren. Unsere Gefühle spielen in Bezug auf unsere Sicherheit keine Rolle.

Glaube beinhaltet, ein moralisches Urteil zu fällen

Jemand mag sagen: »Wenn ich Christus vertraue, dass er mir die Sicherheit des ewigen Lebens gibt, wie werde ich wissen, dass ich sie bekommen habe?« Hier ist die Antwort des Neuen Testamentes zu dieser Frage:

»Wenn wir das Zeugnis der Menschen annehmen – das Zeugnis Gottes ist größer; denn dies ist das Zeugnis Gottes, das er bezeugt hat über seinen Sohn. Wer an den Sohn Gottes glaubt, hat das Zeug­ nis in sich selbst; wer Gott nicht glaubt, hat ihn zum Lügner ge­ macht, weil er nicht an das Zeugnis geglaubt hat, das Gott bezeugt hat über seinen Sohn. Und dies ist das Zeugnis: dass Gott uns ewi­ ges Leben gegeben hat, und dieses Leben ist in seinem Sohn. Wer den Sohn hat, hat das Leben; wer den Sohn Gottes nicht hat, hat das Leben nicht. Dies habe ich euch geschrieben, damit ihr wisst, dass ihr ewiges Leben habt, die ihr glaubt an den Namen des Sohnes Got­ tes« (1Jo 5,9-13).

Dieser Abschnitt aus Gottes eigenem Wort sagt uns, dass ein an Christus Gläubiger aus zwei Gründen absolut sicher sein kann, das ewige Leben zu haben.

1. Weil Gott es so sagt! Und Gott nicht zu glauben, wenn er uns etwas sagt, bedeutet, ihm zu unterstellen, dass er ein Lügner ist.

Gottes Wort ist klar, einfach und eindeutig:

»Dies ist das Zeugnis: dass Gott uns ewiges Leben gegeben hat, und dieses Leben ist in seinem Sohn. Wer den Sohn hat, hat das Leben.«

Damit sollte dieses Thema für alle Gläubigen erledigt sein. Stellen Sie sich vor, dass ich Sie nach Ihrem Namen fragte, als ich Sie das erste Mal traf, und Sie antworteten mir »Elisabeth«. Und stellen Sie sich dann vor, dass in diesem Moment noch jemand dazukommt und mich fragt: »Wie heißt diese Frau?«, und ich antworte: »Ich weiß es nicht. Sie sagt, sie heißt ›Elisabeth‹. Aber das ist nicht sicher.« Wie würden Sie sich fühlen? Sie wären empfindlich getroffen, denn indem ich mich weigere zu glauben, was Sie gesagt haben, würde ich Ihnen unterstellen, dass Sie eine Lügnerin sind. Ich würde Ihren moralischen Charakter angreifen. Das wäre sehr ernst; aber nicht annähernd so ernst, als ob man sich weigert zu glauben, was Gott sagt, und so seinen Charakter anzweifelt. An Gott zu glauben, beinhaltet also das Urteilen über seinen moralischen Charakter: Ist er vertrauens-

würdig? Sagt er die Wahrheit?

Die ganzen Probleme des Menschen begannen, als Satan

ihn im Garten Eden täuschte und dazu verleitete, Gottes Wort infrage zu stellen und anzuzweifeln; damit begann die Entfremdung von Gott (1Mo 3,1-7). Diese Entfremdung wird aufgehoben, wenn ein Mensch in Buße und Glauben sein absolutes Vertrauen in das Wort und das Wesen Gottes setzt, der nicht lügen kann.

2. Weil derjenige, der »glaubt … das Zeugnis in sich selbst [hat]« (1Jo 5,10). Nehmen Sie an, Sie sind krank, und der Arzt gibt Ihnen Medizin und sagt: »Nehmen Sie diese Medizin, und sie wird Sie gesund machen.« Sie müssen zuerst entscheiden, ob Sie ihm glauben oder nicht. Ist er ausreichend qualifiziert? Können Sie sicher sein, dass das, was er Ihnen gibt, gute Medizin ist und kein Gift? Nehmen wir an, Sie entscheiden, dass er ein guter Arzt ist und einen vertrauenswürdigen Charakter hat. Dann nehmen Sie die Medizin; wenn sie wirkt und Sie gesund macht, haben Sie den Beweis in sich selbst, dass der Arzt die Wahrheit sagte und die Medizin gut war.

In derselben Weise bietet Gott uns ewiges Leben als Geschenk an. Wenn wir ihm glauben, werden wir erkennen, dass wir dieses Geschenk haben – zuerst, weil Gott es uns so sagt, und dann auch wegen der Veränderungen, die es in uns bewirken wird!

Das Leben des Glaubens

Weiter oben in diesem Kapitel haben wir gesehen, dass Glaube das Gegenteil von Werken ist, wenn es darum geht, Erlösung zu empfangen: »Durch Glauben« bedeutet »nicht durch Werke«. Nun müssen wir lernen, dass wahrer Glaube zu Werken führt – oder sie hervorbringt. In Wirklichkeit ist Glaube, der keine Werke hervorbringt, kein echter Glaube. Wenn sich das widersprüchlich anhört, sollten Sie folgende Analogie betrachten:

Ein Landwirt hat ein so schwaches Herz, dass er nicht mehr arbeiten kann. Ein befreundeter Herzchirurg bietet ihm an, kostenlos eine Herztransplantation bei ihm durchzuführen. Sowohl die Operation als auch das neue Herz müssen als Geschenk angenommen werden. Der Landwirt glaubt dem Chirurgen, vertraut sich ihm an, die Operation wird durchgeführt, und das neue Herz wird erfolgreich eingepflanzt. Als Ergebnis spürt der Landwirt, wie er neue Lebensenergie und Kraft gewinnt, und er arbeitet gerne, nicht um das neue Herz zu erhalten, sondern weil er es erhalten hat.

So gibt Gott jedem, der an Christus glaubt, das geistliche Geschenk eines neuen Herzens. Es ist ein wirklich kostenloses Geschenk, das man sich nicht durch Werke verdient. Aber mit dem neuen Herzen kommt neues Leben, kommen Energie, Ziele, Motive und Wünsche, die sich gerne für den Dienst für Christus einsetzen (siehe Hes 11,19-20). Das ist das eigentliche Ziel der Errettung, wie es Paulus den Neubekehrten vorstellt. Auf die Verse, in denen er sie daran erinnert, dass sie durch Glauben und ohne Werke errettet wurden, folgen Verse, die ihnen sagen, dass sie »geschaffen [sind] in Christus Jesus zu guten Wer­ ken, die Gott zuvor bereitet hat, damit [sie] in ihnen wandeln sollen« (Eph 2,8-10).

Genauso wird jeder Schritt auf dem Lebensweg ein Ruf zum fortgesetzten Praktizieren des Glaubens sein; und der Glaube wird, wie Muskeln, mit jeder Übung stärker werden. Der Glaube wird den Gläubigen fähig machen, gemäß den Geboten Gottes zu leben und zu wirken. Der Glaube wird ihn stärken, um dem Beispiel der großen Glaubenshelden aller Jahrhunderte zu folgen, die große Heldentaten vollbrachten oder große Leiden um Gottes willen erduldeten (siehe Hebr 11).

Darüber hinaus wird Gott zulassen, dass der Glaube geprüft wird; manchmal massiv, um zu zeigen, dass er echt ist. Er wird so geläutert wie das Gold, das erhitzt wird, damit es von den Schlacken gereinigt und so wertvoller wird (1Petr 1,6-7). Aber dem Gläubigen wird versichert, dass Gott nicht zulassen wird, dass er über das hinaus versucht wird, was er zu tragen imstande ist (1Kor 10,13). Christus wird sogar durch sein Eingreifen den Glauben bewahren und wiederherstellen, wenn er wankt, wie er es bei Petrus vor langer Zeit getan hat (Lk 22,31-32; Hebr 7,25).

Der Glaube wird den Gläubigen auch stärken, die grundlegenden Lehren des Christentums festzuhalten, die das Neue Testament »den Glauben« nennt. Wir sollen, gemäß den Worten des Paulus, »den guten Kampf des Glaubens [kämpfen]« (vgl. 1Tim 6,12-16 [besonders Vers 12]). Und Glaube wird letztlich ganz gewiss belohnt werden:

»Ich habe den guten Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet, ich habe den Glauben bewahrt; fortan liegt mir bereit die Krone der Gerechtigkeit, die der Herr, der gerechte Richter, mir zur Vergeltung geben wird an jenem Tag; nicht allein aber mir, sondern auch allen, die seine Erscheinung lieben« (2Tim 4,7-8).