Glaube - Kein Sprung ins Ungewisse

In unserem letzten Kapitel sahen wir, dass unser erster Schritt die »Buße« zu Gott sein muss, um aus allem, was Gott für die Menschheit getan hat, tut und tun wird, einen Nutzen zu ziehen. Aber es gibt einen zweiten Schritt – und das ist der »Glaube« an unseren Herrn Jesus Christus (Apg 20,21).

Gemäß dem Neuen Testament sind die Bedingungen für eine Errettung folgende:

a) »Wenn du mit deinem Mund Jesus als Herrn bekennst [d. h. objektiv als den Sohn Gottes und subjektiv als deinen persönlichen Herrn]« und

b) »in deinem Herzen glaubst, dass Gott ihn aus den Toten auf­ erweckt hat, [wirst] du errettet werden« (Röm 10,9).

Die Frage, die sich unmittelbar aufdrängt, ist: Woher kommt ein solcher Glaube?

Schwierigkeiten bezüglich des Glaubens: Glaube und Wissenschaft

Heutzutage hört man viele Leute sagen: »Wir würden gerne an Gott und Christus glauben, aber nach all den Jahren der Indoktrination des Atheismus ist es sehr schwer für uns zu glauben. Für uns erscheint der Glaube als eine so willkürliche Sache. In der Wissenschaft kann man Beweise und Belege haben und braucht keinen Glauben. Aber beim Christentum muss man einfach so glauben, ohne dafür jegliche Beweise oder Zeugen zu haben. Es ist gerade so, als ob man mit geschlossenen Augen aus dem Fenster in die stockfinstere Nacht springt und dabei hofft, irgendwo sicher zu landen.«

Andere meinen, dass der Glaube wie eine künstlerische Ader sei: Entweder man hat ihn, oder man hat ihn nicht; und daran kann man nichts ändern.

Keine dieser Sichtweisen ist richtig. Die Vorstellung, dass die Wissenschaft ohne Glauben auskommt, ist darüber hinaus sogar falsch. Tatsächlich ist Glaube für wissenschaftliche Bemühungen grundlegend. Albert Einstein sagte: »Der Glaube, dass das Universum mit den geschaffenen Dingen für den menschlichen Verstand zugänglich ist und die geltenden Regeln rational sind, fällt in den Bereich von Religion. Ich kann mir keinen echten Wissenschaftler vorstellen, der diesen tiefen Glauben nicht teilt.«

Natürlich hat es sowohl Wissenschaftler als auch Philosophen gegeben, die es infrage gestellt haben, ob es das Universum, das die Wissenschaftler beschreiben, überhaupt gibt. Sie haben angenommen, dass es nur in dem Denken und den Konzepten der Wissenschaftler selbst existiert. Sie behaupten, die Theorien der Wissenschaftler antworten auf keine objektive Wirklichkeit. Aber das ist verständlicherweise nur die Sicht einer kleinen Minderheit.

Die große Mehrheit glaubt doch, dass das Universum, das sie entweder direkt oder mithilfe ihrer Instrumente untersuchen, tatsächlich da ist. Sie schaffen es nicht erst durch ihre Beobachtungen, Messungen, Hypothesen, Theorien, Experimente und Interpretationen. Sie akzeptieren seine Existenz als gegeben. Es stimmt, dass sie Details entdeckt haben, von denen sie vorher nicht wussten, dass es sie gibt, z. B. Elementarteilchen. Aber diese Details gab es, bevor sie diese entdeckten. Der Wissenschaftler kann also durch seine Studien das Universum nicht erschaffen – er versucht nur, es zu verstehen. Und zu diesem Zweck fügt er sich mit seinem Verstand den Beweisen, die ihm anhand des Universums dargeboten werden; und er beurteilt die Wahrheit seiner Theorien in dem Ausmaß, soweit sie durch Experimente erklärt werden können.

Nun erklärt die Bibel, dass es das Universum deshalb gibt, weil Gott es ins Dasein gerufen hat. Er hat es geschaffen. Er ließ es durch sein schöpferisches Wort entstehen (1Mo 1; Joh 1,1-4; Hebr 11,3). Es ist eine Offenbarung von Gottes Gedanken, ein Ausdruck seines schöpferischen Denkens. Wenn ein Wissenschaftler diese Offenbarung studiert, dann denkt er Gottes Gedanken nach, wie Kepler es formulierte. Egal, ob der Wissenschaftler das weiß oder nicht.

In gleicher Weise erklärt die Bibel, dass dieser Gott, der sich selbst in der Schöpfung offenbart hat, sich uns auch in seinem Sohn Jesus Christus offenbart hat. Christus ist nicht durch die Kirche erschaffen worden und auch nicht das Produkt religiöser sowie theologischer Spekulationen. Er wird in der Bibel das Wort Gottes genannt, weil sich Gott in ihm viel unmittelbarer und umfassender offenbart und zu uns Männern und Frauen gesprochen hat, als er es durch die Schöpfung je tun könnte. In der Schöpfung zeigt uns Gott seine Macht und Majestät. In Christus, dem Wort Gottes, hat Gott uns sein Herz mitgeteilt. Unsere Aufgabe ist es also, die vorliegenden Beweise von Gottes Selbstoffenbarung in Christus zu studieren, gerade so, wie Wissenschaftler die vorliegenden Beweise von Gottes Selbstoffenbarung in der Schöpfung studieren.

Nun stimmt es, dass Wissenschaftler argwöhnisch sind, wenn ihnen wissenschaftliche Erklärungen präsentiert werden, die zu einfach sind. Sie haben durch Erfahrung gelernt, dass uns das Universum ständig mit dem Unerwarteten konfrontiert, mit Phänomenen, die nur in Begriffen erklärt werden können, welche dem normalen menschlichen Verstand zu widersprechen scheinen. Aber Wissenschaftler lehnen solche schwierigen Erklärungen nicht von vornherein ab. Tatsächlich sind sie bereit, ihnen mehr zu vertrauen als dem gesunden Menschenverstand; und die letzte Bestätigung für ihr Vertrauen besteht darin, dass sie auf ihrer Grundlage Experimente machen und dass diese funktionieren.

Entsprechend ist es auch mit Gottes Selbstoffenbarung an die Menschen durch Jesus Christus. Wie wir wissen, erklärt das Neue Testament, dass Jesus Christus sowohl Gott als auch Mensch ist. Diese Erklärung scheint für viele dem gesunden Menschenverstand völlig zu widersprechen. Wenn sie dann noch feststellen, dass sogar die Bibel selbst keine komplette Erklärung dafür anbietet, wie er Gott und Mensch gleichzeitig sein kann, dann tun sie das Ganze als primitiven Mythos ab. Aber das ist, wie wir gesehen haben, wohl kaum eine wissenschaftliche Reaktion.

Diejenigen, die Jesus Christus begegneten, als er auf dieser Erde war, entdeckten natürlich zuerst, dass er ein echter Mensch war. Gleichzeitig fanden sie, dass er nicht wegzuerklärende Eigenschaften besaß, die zeigten, dass er viel mehr als ein Mensch war. Christi Erklärung dafür war, dass er Gott und Mensch gleichzeitig war. Und wenn wir fragen, wie von uns erwartet werden kann, diese Erklärung zu glauben, dann wird uns das Neue Testament auf Nachforschungen und Experimente hinweisen, die wir machen können und die uns beweisen werden, dass die Erklärung wahr ist (Joh 7,16-17; 20,30-31). Tatsächlich behauptet das Neue Testament nicht nur, dass Jesus eine reale historische Person war, sondern dass er, als aus den Toten Auferstandener, eine lebende Person ist, mit der man in Kontakt treten kann.

Warum das Neue Testament lesen?

Jemand mag gut und gern einwenden: »Es nützt mir nichts, das Neue Testament zu lesen. Wenn mir das Neue Testament etwas geben könnte, müsste ich erst glauben, dass es wahr ist, bevor ich es lese. Und weil ich nicht glaube, dass es wahr ist, macht es keinen Sinn, es zu lesen.« Aber eine solche Abwehr beruht auf einem Missverständnis, denn man muss nicht erst glauben, dass das Neue Testament wahr ist, bevor man es liest. Wenn Sie das Neue Testament noch nie ernsthaft gelesen haben, können Sie andererseits im Voraus auch nicht ehrlich und im wissenschaftlichen Sinne sagen, dass es nicht wahr ist. Sie würden eine solche Haltung beispielsweise auch nicht gegenüber einer Zeitung haben. Nachdem Sie bereits viele Zeitungen gelesen haben, wissen Sie, dass Zeitungen haftbar gemacht werden, wenn sie Aussagen enthalten, die nicht wahr sind.

Aber deshalb weigern Sie sich nicht, Zeitung zu lesen. Sie lesen Zeitungen mit der Überzeugung, Wahrheiten von Falschmeldungen unterscheiden zu können. Und wenn Sie das im Moment nicht können, dann schieben Sie Ihr Urteil auf. Lesen Sie das Neue Testament in der gleichen Weise; und wenn Sie es gelesen haben – und nur dann –, sollten Sie sich Ihre Meinung darüber bilden, ob Jesus die Wahrheit sprach oder nicht. Glaube an Jesus kann nicht kommen, ohne dass Sie vorher hören, was er sagt. Sich zu weigern, ihm zuzuhören, ist kein Zeichen von intellektueller Meisterleistung, sondern Aufklärungsund Fortschrittsfeindlichkeit.

Natürlich stehen hierbei viel wichtigere Dinge auf dem Spiel als beim Lesen eines Zeitungsberichtes. Wie wir am Anfang sahen, ist die erste Bedingung, die das Neue Testament für die Errettung darlegt, das Bekenntnis, dass Jesus Herr ist! Das beinhaltet natürlich auch, dass man Jesus als persönlichen Herrn und Meister annimmt und bereit ist, ihn vor der Welt als solchen zu bekennen. Aber es schließt mehr als das mit ein. Im Alten Testament heißt es: »Ich, ich bin der HERR, und außer mir ist kein Er­ retter« (Jes 43,11). »Der HERR« ist ein Synonym für Gott, den Schöpfer. Wenn Jesus nicht dieser HERR wäre, wenn er nicht Gott in Menschengestalt wäre, dann könnte er niemanden retten. Dieser Anspruch ist gewaltig, und das Neue Testament wird gewiss nicht von uns erwarten, dass wir das glauben, ohne dass es uns Beweise liefert, auf die wir unseren Glauben gründen können. Die Frage ist also: Welche Beweise gibt es, die uns zu dem Glauben führen, dass Jesus in diesem Sinne HERR ist?

Jesu eigene Aussagen als Beweis

Es mag auf den ersten Blick naiv erscheinen, aber der Hauptgrund zu glauben, dass Jesus der Sohn Gottes ist, stellen seine eigenen Aussagen dar. Das wirft sofort die Frage nach seiner Glaubwürdigkeit auf. Und das ist auch völlig richtig; denn selbst wenn alle Beweise unmissverständlich seine Göttlichkeit bezeugen, so ist doch die letztendliche Frage, welche von der menschlichen Seele entschieden werden muss, wenn sie mit Jesus Christus konfrontiert wird: Ist er wahrhaftig? Spricht er die Wahrheit? Welchen Wert können wir seinem oft wiederholten »Wahrlich, wahrlich, ich sage euch« beimessen? Das trifft auch bei Gott zu. Die letztendliche Frage lautet nicht: »Gibt es einen Gott?«, sondern: »Ist Gott wahrhaftig? Kann man ihm vertrauen?« Der Apostel Jakobus bemerkt ein bisschen ironisch, dass auch die Dämonen glauben, dass es einen Gott gibt (Jak 2,19). Aber sie vertrauen und gehorchen ihm nicht. Viele Menschen, die ebenso glauben, dass Gott existiert, vertrauen ihm nicht und sind auch nicht bereit, ihr Leben hier oder in der kommenden Welt auf die Wahrhaftigkeit seines Wortes zu bauen. Sie glauben, dass sie es nicht können.

Jemand mag sagen: »Aber Sie können nicht von uns erwarten zu glauben, dass Jesus der Sohn Gottes ist, nur weil er das selbst gesagt hat. Das ist nicht glaubwürdig.« Die Zeitgenossen Christi warfen dieselbe Frage auf: »Du zeugst von dir selbst«, sagten sie; und dann zogen sie daraus den Schluss: »Dein Zeugnis ist nicht wahr«, d. h. es ist nicht gültig (Joh 8,13).

Christus hat diese ungerechtfertigte Schlussfolgerung sofort bestritten. Er entgegnete: »Auch wenn ich von mir selbst zeuge, ist mein Zeugnis wahr, weil ich weiß, woher ich gekommen bin und wohin ich gehe; ihr aber wisst nicht, woher ich komme und wohin ich gehe« (Joh 8,14). Er bezog sich freilich auf den Himmel, woher er kam und wohin er bald wieder gehen würde. Er sprach mit der Autorität persönlicher Erfahrung. Es war absolut ungerechtfertigt zu schlussfolgern, dass sein Zeugnis zwangsläufig ungültig sei, weil er als Einziger von diesen Dingen reden konnte.

Nehmen wir ein Beispiel. Für die Menschen, die vor 3000 Jahren im Mittelmeerraum lebten und am Himmel die Mittagssonne betrachteten, war es eine absolute Tatsache, dass diese Sonne vorher auf ihrer linken Seite aufgegangen war und nachher auf ihrer rechten Seite untergehen würde. Nehmen wir nun an, dass eines Tages ein einzelner Mann aus Südafrika ankommt, der Erste von dort, der den Mittelmeerraum besucht. Er könnte nun sagen, dass es in dem Land, wo er herkomme, beim Anschauen der Mittagssonne eine absolute Tatsache sei, dass sie vorher auf der rechten Seite aufgegangen sei und nachher auf der linken Seite untergehen werde. Die Frage ist: Wäre es von den Bewohnern des Mittelmeerraums richtig gewesen, ihm zu glauben? Was er sagte, war das Gegenteil von dem, was sie bisher erlebt hatten, und widersprach ihrer damaligen Wissenschaft und Kosmologie. Sie hätten antworten können: »Du bist der Einzige, der uns je solche Sachen gesagt hat. Wir können das nicht glauben, nur weil du es so sagst. Dein Zeugnis ist nicht gültig. Wir können nicht glauben, dass es ein Land gibt, wo sich die Sonne so verhält, wie du es behauptest.« Er könnte geantwortet haben: »Auch wenn ich der Einzige bin, der euch das mitteilt, ist mein Zeugnis doch gültig. Ich kenne das Land, wo ich herkomme und in das ich bald zurückkehren werde. Ihr kennt dieses Land nicht.« Und er hätte damit recht. Sein Zeugnis ist gültig, und wenn sie ihm geglaubt hätten, dann hätten sie damit das geglaubt, was tatsächlich wahr ist.

Natürlich wäre es für die Bewohner des Mittelmeerraums schwierig gewesen, dem Reisenden aus Südafrika zu glauben; denn es gab viele solcher »Reisegeschichten«, die von Behauptungen gewisser Menschen berichteten, am Ende der Welt gewesen zu sein und dort fantastische und wunderbare Dinge gesehen zu haben. Nichts davon war wahr. Es war alles pure Einbildung. Wie konnten sie also zwischen diesen »Reisegeschichten« und dem, was der Südafrikaner sagte, unterscheiden? Und wie können wir zwischen abergläubischen religiösen Legenden und dem, was Christus sagte, unterscheiden?

Christus selbst antwortete auf solche Fragen, indem er klarmachte, dass – obwohl seine bloßen Aussagen in sich selbst gültig sind – es zusätzliche Beweise gab, die seinen Anspruch bekräftigten, und das waren seine Wunder (Joh 5,36). Er beanspruchte, Werke von solcher Art und Bedeutung zu tun, wie niemand anders sie je getan hatte (Joh 15,24). Damit beschäftigen wir uns im nächsten Kapitel.